Als Arzt riet Dr. Gerhard Tilmann Seniorinnen und Senioren stets, bis ins hohe Alter Sport zu treiben. Bewegung, davon war er überzeugt, sei der beste Schutz vor körperlichen Gebrechen. Diesen Rat lebte der hochgeschätzte Mediziner und erfolgreiche Zehnkämpfer bis vor Kurzem selbst vor. Umso überraschender kam sein Tod für alle, die ihn kannten. Der frühere Senioren-Weltrekordler im Zehnkampf ist am 28. April im Kreise seiner Familie still eingeschlafen. Der Orthopäde, der in Dortmund-Brackel seine Praxis führte, hat in der westfälischen Leichtathletik und weit darüber hinaus bleibende Spuren hinterlassen.
Der fünffache Familienvater strahlte bis vor wenigen Monaten noch Tatendrang und Optimismus aus und hatte auch im fortgeschrittenen Alter große Freude an sportlichen Aktivitäten. „Doch zum Schluss ging es mit ihm rapide bergab“, sagt sein Sohn Philipp Tilmann, der früher selbst ein erfolgreicher Leichtathlet war.
Dr. Gerhard Tilmann war ein Mensch, der Neugier, Mut und Lebensfreude zeitlebens verkörperte. Wer ihn kannte, erinnert sich an seinen Humor, seine Offenheit und seine besondere Fähigkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Der „Doc“, wie ihn seine Freunde nannten, hatte immer ein offenes Ohr – für die Sorgen anderer, für sportliche Fragen und für die vielen Geschichten aus alten Zeiten. So half er unter anderem auch dem mehrfachen Blinden-Weltrekordler Werner Rathert dabei, einen neuen Guide zu finden, nachdem dessen bisheriger Schrittmacher immer langsamer geworden war.
Seine ersten sportlichen Erfahrungen sammelte Dortmunds Leichtathletik-Legende bereits mit 13 Jahren als Turner beim TSC Eintracht 48/95 Dortmund. Die Freude an der Bewegung vermittelte ihm damals sein Sportlehrer Rudolf Kobs, der Großvater des späteren Hammerwurf-Weltmeisters Karsten Kobs. Zwei Jahre später entdeckte der junge Gerhard Tilmann sein Herz für die Leichtathletik. Es war der Beginn einer bemerkenswerten Karriere, die sich über mehr als sieben Jahrzehnte erstrecken sollte.
Seine größten sportlichen Erfolge feierte der Eintrachtler, der seinem Verein bis zuletzt die Treue hielt, im Mehrkampf. Als Zehnkämpfer durfte er sich fünfmal das Nationaltrikot überstreifen. Ein besonderer Höhepunkt war für ihn das Jahr 1972, als er zum Olympia-Kader gehörte und mit 7.601 Punkten seine persönliche Bestleistung im Zehnkampf aufstellte.
Auch im Seniorenalter blieb sein Ehrgeiz ungebrochen. 1994 stellte er in der Altersklasse M55 einen Zehnkampf-Weltrekord auf. Noch mit 74 Jahren überquerte er im Stabhochsprung die bemerkenswerte Höhe von 2,20 Metern – ein eindrucksvolles Zeugnis seiner lebenslangen Fitness, seiner Technik und seiner Begeisterung für die Leichtathletik.
Dr. Gerhard Tilmann blieb bis ins hohe Alter voller Tatendrang. Seine Familie und seine vielen Leichtathletik-Freunde erlebten ihn als jemanden, der das Leben liebte und nie verlernte, Neues auszuprobieren. Noch mit 85 Jahren fuhr er mit seiner Vespa durch Dortmund, um Sportfreunden, denen es gesundheitlich nicht mehr so gut ging, Mut zuzusprechen.
Für sein außergewöhnliches Engagement wurde Dr. Gerhard Tilmann, der sich bei zahlreichen Leichtathletik-Veranstaltungen auch als Veranstaltungsarzt ehrenamtlich in den Dienst des Sports stellte, im Jahr 2014 mit der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ausgezeichnet.
Um ihn trauern seine Ehefrau Rita, seine fünf Kinder und die gesamte Leichtathletik-Familie, die ihn als Freund, Arzt und Vorbild erleben durfte. Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am Mittwoch, dem 6. Mai 2026, um 12.00 Uhr in der großen Trauerhalle des Hauptfriedhofes Dortmund, Am Gottesacker 25, statt.
Dr. Gerhard Tilmann – ein Leben voller Energie und Lebensfreude
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