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Leichtathleten trauern um Dr. Manfred Poerschke

Charles Jenkins und Manfred Poerschke (Foto: privat)
Charles Jenkins und Manfred Poerschke (Foto: privat)
Die Dortmunder Leichtathletik trauert um Dr. Manfred Poerschke. Der frühere Weltklasse-Viertelmeiler des OSV Hörde ist in der vergangenen Woche im Alter von 92 Jahren unerwartet verstorben.

Bis zuletzt war es Manfred Poerschke wichtig, sein Leben aktiv zu gestalten. Dazu gehörten die jährlichen Kurzurlaube mit seiner Tochter Ulrike ebenso wie die gemeinsame Zeit mit seinem Enkel. Geistig fit hielt er sich unter anderem mit regelmäßigen Skat-Nachmittagen, Lesen und seiner Begeisterung für klassische Musik. „Sein Kampfgeist begleitete ihn sowohl im Sport als auch privat – bis zum Schluss“, betont seine Tochter Ulrike Poerschke.

Obwohl Manfred Poerschkes sportliche Glanztaten inzwischen mehr als sechs Jahrzehnte zurückliegen, beeindrucken seine Leistungen bis heute. Der vielseitige Dortmunder brachte es während seiner erfolgreichen Laufbahn auf Bestzeiten von 10,7 Sekunden über 100 Meter, 21,4 Sekunden über 200 Meter, 47,0 Sekunden über 400 Meter und 1:52,2 Minuten über 800 Meter.

Aufgrund seiner Veranlagung wäre Poerschke möglicherweise auch über 800 Meter zu großen Leistungen fähig gewesen. Davon war zumindest Trainer-Legende Bert Sumser überzeugt, der von 1956 bis 1962 im Deutschen Leichtathletik-Verband die Mittelstreckler betreute. „Ich wäre beinahe auf Bert Sumsers Ratschlag eingegangen. Doch als ich ihn um einen Trainingsplan für die 800-Meter-Distanz bat, traute ich meinen Augen nicht. Nach seinem Konzept hätte ich kaum noch einen Ruhetag gehabt. Das war mir viel zu viel, sodass ich bei den 400 Metern blieb. Schließlich habe ich zu meiner besten Zeit nur zweimal in der Woche trainiert“, erinnerte sich Poerschke später. Wie weit ihn ein höherer Trainingsumfang noch hätte bringen können, bleibt Spekulation. Verpassten Chancen trauerte er jedoch nie nach. Stattdessen blickte er stets mit großer Zufriedenheit auf seine sportliche Laufbahn zurück.

Einen seiner größten Einzelerfolge feierte Manfred Poerschke am 30. Juni 1957 beim Berliner ISTAF. Über 400 Meter bezwang er in einem mitreißenden Rennen in 47,5 Sekunden Charles Jenkins, der im Jahr zuvor bei den Olympischen Spielen in Melbourne Gold über die Stadionrunde gewonnen hatte. Bereits 1956 hatte Poerschke die 400 Meter beim traditionsreichen Berliner Sportfest in 48,0 Sekunden für sich entschieden. Ein Jahr später wiederholte er seinen Erfolg mit dem viel beachteten Sieg über den Olympiasieger. Wenn Manfred Poerschke Jahrzehnte später von diesem Rennen erzählte, war ihm die Begeisterung noch immer anzumerken.

Nur einen Monat später folgte ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere. Beim 9. Internationalen Leichtathletik-Sportfest des ASV Köln stellte die 4x400-Meter-Staffel des OSV Hörde am 31. Juli 1957 in der Besetzung Kurt Heise, Walter Oberste, Albert Radusch und Manfred Poerschke in 3:08,9 Minuten einen Weltrekord für Vereinsstaffeln auf. Auch im Nationaltrikot gehörte Manfred Poerschke zur deutschen Spitze. Insgesamt bestritt er 21 Länderkämpfe. Bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne erreichte er mit der deutschen 4x400-Meter-Staffel den vierten Platz und verpasste damit nur knapp eine olympische Medaille. Zwei Jahre später gelang der Sprung auf das internationale Siegerpodest. Bei den Europameisterschaften 1958 in Stockholm gewann die deutsche 4x400-Meter-Staffel mit Carl Kaufmann, Manfred Poerschke, Johannes Kaiser und Karl-Friedrich Haas die Silbermedaille.

Der deutsche Juniorenmeister von 1955 war stets stolz darauf, ein „Eigengewächs“ des OSV Hörde gewesen zu sein. Trotz attraktiver Angebote anderer Vereine blieb er seiner sportlichen Heimat während seiner gesamten Laufbahn treu. Der Dortmunder Verein gehörte in den 1950er- und 1960er-Jahren zu den erfolgreichsten Leichtathletik-Vereinen Deutschlands. 1961 bestritt Manfred Poerschke seinen letzten Länderkampf. Der Leichtathletik blieb er dennoch eng verbunden. 18 Jahre lang engagierte er sich als Trainer für den OSV Hörde und den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) und gab seine Erfahrungen an die nächste Generation weiter.

Den Ehrgeiz, den er auf der Laufbahn gezeigt hatte, bewies er später auch im Berufsleben. Als „Spätberufener“ studierte er zunächst an der Pädagogischen Hochschule Dortmund und promovierte anschließend im Fach Erziehungswissenschaften. In seinen letzten 20 Berufsjahren leitete Manfred Poerschke eine Motopädie-Fachschule. Mit Dr. Manfred Poerschke verliert die Dortmunder Leichtathletik einen der herausragenden Viertelmeiler ihrer Geschichte – und einen Sportler, der seiner Heimat und der Leichtathletik weit über seine aktive Laufbahn hinaus verbunden blieb.


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